Berichte [ 18. Mai 2008 - Norddeutsche Meisterschaft ]
Bericht von den Norddeutschen Meisterschaften in Wolfsburg
In den letzten zwei Wochen ist viel passiert. Norddeutsche Meisterschaften, Gürtelprüfungen und Deutsche Meisterschaften. Leider komme ich erst jetzt dazu, Euch über die letzten Ereignisse zu berichten. Fangen wir einmal an. Liane hatte sich um Bahnfahrkarten nach Wolfsburg zur Norddeutschen Meisterschaft gekümmert. Nach einigem Hin und Her fuhren 10 Personen mit der Bahn und einige mit dem Auto. In der Hoffnung, mit ein paar Titeln zurück nach Berlin zu kehren, machten wir uns frohen Mutes auf den Weg. In der Halle angekommen, staunten wir nicht schlecht. Tolle geräumige Halle, drei großzügig aufgebaute Matten (Anmerkung von mir: viel Platz für die Gegner zum Flüchten) und dann richteten sich die Blicke auf die Pokale. Ein ganzer Tisch stand voll damit. Schöne große Pötte. Jeder hoffte, einen davon mitnehmen zu können. Die Organisation war nicht schlecht. Die Wettkampflisten hingen kurz nach Wiegeschluss bereits an der Wand und so konnten wir im Vorfeld absprechen, wer von uns welchen Kämpfer/Kämpferin betreut. Das Besondere bei diesem Turnier war, dass unsere „Newcommer“ Timo und Shayenne erstmals auch im Leichtkontakt antreten durften und auch wollten. Beide gerade einmal 12 Jahre und 11 Jahre alt. Ein Ausflug in eine bis dahin für sie unerforschte „Welt“. Höchst gespannt, wen sie denn so als Gegner zugelost bekommen, machten beide sich warm. Beginnend mit Semikontakt. Hier hatte Timo sogleich eine harte Nuss zu knacken. Dadurch, dass nicht in Gewichtsklassen, sondern lediglich in 10-cm-Abständen gemessen und eingeteilt wurde, konnten Gewichts- und Altersunterschiede von ca. 15 kg bzw. bis zu 4 Jahren durchaus vorkommen. So war es dann auch. Timos Gegner war zwar nur ein paar cm größer, jedoch mindestens 15 kg schwerer und außerdem noch drei Jahre älter. Das machte sich dann auch gleich zu Beginn des Kampfes bemerkbar. Ein wenig eingeschüchtert durch die stämmige Erscheinung seines Gegners, bewegte Timo sich anfangs noch sehr behutsam auf der Matte vorwärts. Sein Gegner schien dieses zu bemerken und nutzte seine Chance. Mit einem flinken gedrehten Halbkreisfußtritt rückwärts, der mit voller Wucht durch Timos Deckung genau in seinem Gesicht landete, „knockte“ er ihn regelrecht aus. Timo hob mit beiden Füßen gleichzeitig ab und schlug rücklings auf der Matte auf, streckte alle Viere von sich und blieb erst einmal liegen. Das war genug für uns. Einfach zu gefährlich und unverantwortlich, wenn wir unserem Kleinsten erlaubt hätten, weiterzukämpfen. Wir warfen das Handtuch und waren froh, dass Timo zum Glück keine schwere Verletzung davontrug. Kopf hoch Timo, in einigen Jahren stehst Du auf der anderen Seite und kannst deine Techniken anwenden. Geduld ist gefragt. Neben Timo startete unsere zweite „Kleene“, Shayenne Görner, ebenfalls im Semikontakt. Dadurch, dass in ihrer Gewichtsklasse im Leichtkontakt keine Gegnerin antreten wollte, musste sie sich voll und ganz auf ihren Semikontaktkampf konzentrieren. In diesem Kampf merkte man, dass Shayenne nicht zum ersten Mal auf der Matte stand. Sie versuchte geschickt das umzusetzen, was sie bei Christian im Training gelernt hatte. Im Vergleich zu ihren ersten Kämpfen ein deutlicher Fortschritt. Obwohl Shayenne diesen Kampf verlor, wurde sie dennoch Norddeutsche Vizemeisterin. Herzlichen Glückwunsch!!! Warte ruhig ab, Shayenne, Deine Chance im Leichtkontakt wird schon noch kommen. Wenn ihr beide weiterhin fleißig trainiert, dann denke ich, dass wir in ein paar Jahren die Namen Shayenne und Timo häufiger unter den Platzierten finden werden. So, Timo hatte ja noch einen Gegner im Leichtkontakt. Für Timo die Premiere, für seinen Gegner nicht. Voll cool stand dieser am Mattenrand und wartete auf seinen Einsatz. Timo, der immer noch sichtlich geschockt von seinem Semikontaktkampf war, traute sich dennoch, gegen diesen Gegner anzutreten. Respekt für Deinen Mut!!! Obwohl dieser Kampf ebenfalls von uns durch Aufgabe und damit als Sieg für seinen Gegner endete, möchte ich an dieser Stelle einmal anmerken, dass Timo mit gerade einmal 12 Jahren und Null Kampferfahrung im Leichtkontakt, trotzdem versuchte, diesen Kampf zu gewinnen. Es gilt der Spruch: „In der Geduld liegt die Kraft“.
Bei unseren Jugendlichen gab es ein Finale im Leichtkontakt bis 63 kg zwischen Viktor Schilling und Marc Hammer, beide aus unserer Sportschule. Das ist immer so eine schwierige Kiste. Man kennt sich, will sich nicht gegenseitig verletzen, will einen schönen und sauberen Kampf abliefern und trotzdem auch gewinnen. Für Viktor war es erst sein dritter Kampf überhaupt. Toll, dass Du gleich mit zur Norddeutschen Meisterschaft gekommen bist. Viktors Kampfstil ist der, den wir gerne häufiger sehen würden. Einfaches aber effektives Kickboxen. Frontkicks, gut durch Anboxen vorbereitet, trafen immer wieder ihr Ziel, nämlich den Weg durch die leicht geöffnete untere Deckung von Marc in seine Magengrube. Viktors gute Deckungsarbeit wehrte Marcs Halbkreisfußtritte oftmals ab, so dass es nach der ersten Hälfte des Kampfes sehr ausgeglichen, wenn nicht sogar leichte Vorteile für Viktor gab. Marc konnte in der zweiten Hälfte dann mit diversen Treffern punkten, so dass letztlich der Sieg an ihn ging. Somit konnten wir zu diesem Zeitpunkt bereits einen Norddeutschen Meistertitel und zwei Vizemeistertitel für unseren Verein verzeichnen. Das war aber noch nicht alles. Marc erkämpfte sich noch einen dritten Platz im Semikontakt. Nun ging es weiter.
Cindy Kästner startete bei den Damen in der Gewichtsklasse bis 60 kg. Ihre Gegnerin, Nadine Lutz, war wie eine klein „Kampfzicke“ (Anmerkung der Verfasserin: Das soll keinesfalls eine Beleidigung sein, sondern lediglich die Verbissenheit und den Siegeswillen der Gegnerin zum Ausdruck bringen). Leichtkontakt wurde zum Vollkontakt und Cindy hatte einige Mühe, Treffer zu setzen und zu punkten. Sie tastete ihre Gegnerin eher ab, als sie kraftvoll treffen zu wollen. Durch ihr vorsichtiges Annähern dachte ich schon, dass es in diesem Kampf nichts zu holen gab und wir ihn als „verloren“ werten müssen, aber es kam anders. Gegen Ende des Kampfes trumpfte Cindy ein wenig auf, so dass die Kampfrichter schließlich mit 2:1 den Sieg für Cindy erklärten. Damit stand Cindy im Finale. Dort hieß ihre Gegnerin Elena Mortellaro. Nachdem Cindy sich im ersten Kampf eher ausruhte und teilweise im Zeitlupentempo Punkt für Punkt holte, war sie im Finale voll da und begann sehr dynamisch. Ihre Gegnerin stand ihr in keiner Weise nach und boxte heiter mit. Ein kräftiger Schlagabtausch. Leider vergaß die Gegnerin, dass es sich hier wirklich um einen „Leichtkontaktkampf“ handelte. Sie drosch voll zu. Die Leistung der anwesenden Kampfrichter möchte ich an dieser Stelle nicht bewerten!!! Dieses steht mir auch nicht zu, jedoch bin ich der Meinung, dass voll durchgezogene Aufwärtshaken und gerade Fauststöße, die jedes Mal mit voller Wucht ihr Ziel trafen, Konsequenzen in Form von Ermahnungen, Verwarnungen und Minuspunkten hätten nach sich ziehen müssen. Verständlicherweise war Christian nicht gerade glücklich über die ein oder andere Kampfrichterentscheidung. Auch für die Kampfrichter war es ein harter Tag und so ist es verständlich, dass mal was „durchrutscht“. Cindy bewies Nehmerqualitäten und vergaß auch nicht, selber auszuteilen. Punkt für Punkt zog sie unserer Meinung nach vorwärts, leider jedoch nur nach unserer Meinung. Der Sieg ging an die Gegnerin. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir nun noch einen dritten Vizemeistertitel. Unsere letzte Hoffnung, noch einen zweiten großen Pokal mit nach Hause nehmen zu können, lag nun auf Patrick Pickbrenner. In seiner Gewichtsklasse, bis 69 kg Herren, hatte er weitere sechs Anwärter auf den Titel. Seinen ersten Gegner, Abrash-Jan Bueno, servierte Piecke, wie wir ihn nennen, chancenlos ab. Von Beginn an hellwach, punktete Patrick und ließ keinen Zweifel daran, wer hier weiterkommen wollte. Gleiches galt für seinen zweiten Kampf gegen Christian Preschel, der zuvor Hanes Schwarz aus dem Turnier warf. Patrick ging auch in diesem Kampf als Sieger hervor. Nun stand er doch wirklich im Finale. Für uns alle eine Freude. In der Hoffnung, den tollen Pokal zu erkämpfen, begann Patrick konzentriert und mit Übersicht. Sein Gegner wollte den Pokal leider auch unbedingt gewinnen und so entwickelte sich ein sehr anstrengender und harter Kampf, der so einige Spuren hinterließ. Auch hier musste ich überlegen, auf welcher Veranstaltung ich denn nun war. Vielleicht interpretiere ich die Bezeichnung „Leichtkontakt“ ein wenig anders. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Patrick kämpfte richtig gut, verlor jedoch nach Kampfrichterentscheidung. Schade!!!! Patrick, wenn ich mir Deinen WAKO-Pass so anschaue, kann man eine kontinuierliche Steigerung bei den Platzierungen feststellen. Irgendwann steht da auch ein Meistertitel auf Deutscher Ebene drin.
Nach der Siegerehrung stellten wir fest, dass jeder unserer Kämpfer aus der Sportschule Bernd Grossmann in Buckow, mit mindestens einer Platzierung (Plätze 1-3) nach Hause fahren konnte. Eine tolle Leistung.
Hinzu kam, dass wir eine Menge Spaß hatten. Die Bahnfahrt, das Mitfiebern der eigenen „Fans“ am Mattenrand, die Fahrt zum Bahnhof Wolfsburg, der Abstecher in das „First Class Restaurante Mc Donald“ und die Fahrt zurück nach Berlin. Ein tolles und erfolgreiches Wochenende, an dem wir beschlossen, in naher Zukunft doch mal wieder gemeinsam etwas zu unternehmen. Uns schwebt eine gemeinsame Fahrt im Sommer in den Heidepark Soltau vor. Dazu jedoch später mehr.... . So, nun ein kleines „break“, bevor ich Euch ausgiebiger über die Deutschen Meisterschaften in Siegen berichte.... Vielleicht seid ihr ja neugierig, was die Ergebnisse und Kampferfahrungen angeht und wollt auch wissen, warum wir so unheimlich von SANDRA verarscht wurden.... (Natürlich nicht von unserer Sandra vom Kickboxen). Dazu im nächsten Bericht mehr.... Tschüßßßßßßß
Eure Birga
Trainer
Christian Reeck
Wettkampfbetreuerin
Birga Hammer
Autor: Birga Hammer

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